Sportwagen gehören auf die Rennstrecke

Ich habe die Tage das Vergnügen gehabt, den neuen Ford Mustang V8, 5.0liter, 435 PS (US-Modell) zu fahren und es ist das PS-stärkste Auto, das ich jemals fahren durfte. Ich habe ein Vorserienmodell gefahren und durfte ihn nach eigenem Ermessen ohne Rücksicht auf Bremsen-, Reifen- und Autoverschleiß über Landstraßen und Autobahnen prügeln. Aufgrund dieser Erfahrung habe ich meine Meinung zu einem täglich nutzenden Sportwagen und dem ewigen Wunsch nach noch schnelleren Autos geändert.

Vorneweg muss man über mich wissen: ich bin ein Autonarr seitdem ich denken kann, hatte fast immer heckgetriebene Autos, fahre eigentlich immer zu schnell (geradeaus und vor allem in Kurven), fahre bei Gelegenheit gerne auf der Nordschleife (Simulator und mit meinem 911SC), ergötze mich sowohl in Zeitschriften, als auch live auf Messen an schnellen und schönen Autos und … ich cruise äußerst selten.

Ich lese viele Autozeitschriften und gerade dort wird einem mit jedem Artikel über einen Sportwagens suggeriert, dass es normal ist, Kurven pervers übersteuernd zu nehmen und reifenvernichtend durch die Gegend zu heizen. Wer von uns hat das mal mit einem guten, teuren Satz Reifen gemacht? Auf welcher Landstraße geht das schon, wenn man nicht weiß, was hinter der nächsten Ecke kommt? Wo übt man das Übersteuern? Die Autoren knallen mit Überschallgeschwindigkeit durch Gegenden, für die der Normalbürger Urlaub einreichen muss, um dorthin zu kommen und er müsste die lokale Polizei zum Sperren der Landstraßen überreden, um jedes fremdausgelöste Risiko auszuschließen.

Nach dieser Probefahrt bin ich der Meinung, dass man Sportwagen auch als solche ansehen sollte und deswegen bringen sie auch nur etwas auf der Rennstrecke. Im normalen Straßenverkehr verkommen sie zu gelangweilten und eingebremsten HighTech-Maschinen. Das merkt man sehr deutlich, wenn man im innerstädtischen Verkehr etwas zu beherzt aufs Gaspedal drückt und das Monster erwacht. Der Mustang, wie auch die anderen 400+ PS Fahrmaschinen, sind eigentlich Waffen, weil sie besonders auf Landstraßen zu schnell, zu explosiv und wegen der Enge und Unübersichtlichkeit des Streckenverlaufs zu gefährlich sind. Ich habe es etwas übertrieben und bin froh, dass ich ohne Unfall davongekommen bin.

Ich verstehe, dass sich die Hersteller in einem Leistungsteufelskreis befinden, um sich gegenseitig zu toppen (0-100km/h, Topspeed, PS, Drehmoment), aber bei mir ist die Flamme nach einem eigenen PS-Monster etwas erloschen. Für den täglichen Bedarf brauche ich keine 300PS oder mehr. Ehrlich gesagt, vergeht einem auch nach einer Weile die Freude am dauernden Wechsel zwischen Kickdown und Vollbremsung, weil im Straßenverkehr einfach zu viele Risiken lauern: Menschen, Tiere, Blitzer und ausgehender Asphalt. Stattdessen werde ich in Zukunft eher einen Sportwagen für die Rennstrecke mieten und ihn dort seiner Bestimmung zuführen, ohne jemanden im normalen Straßenverkehr zu gefährden.

Kurze Zeit nachdem ich meinen Porsche 911SC (180PS) erworben hatte und schon einige Kilometer mit ihm gefahren bin, hatte ich das Gefühl, dass ich zu wenig PS hinter mir hatte, vor allem aus dem Drehzahlkeller heraus. Heute denke ich, dass dieses Modell eine gute Wahl ist. Ich kann mit ihm ebenso Adrenalin-ausschüttend über Landstraßen heizen, immer wissend, dass bei einem Fahrfehler oder Fremdeinfluss mir weder ABS noch ESP helfen werden. Wenn er einmal die 3500 U/min. geknackt hat, dann kommt auch in ihm das Gefühl nach ausreichender Beschleunigung und der Motor klingt bei einem Porsche 911SC wunderbar nach Sportwagen.
Eure Meinung dazu würde mich sehr interessieren…

Euer Miki

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